James Wright: Bestimmung
Nachdem der Winter gegangen war, stand ich auf
und dachte an deine Worte. Unterhalb des Feldes
wo ich tot gelegen hatte, riefen die welken Blätter und Halme
meinen Körper zu sich und teilten mit, dass ich gehen müsse.
Auf der anderen Straßenseite sah ich noch andere Tote
ihre kleinen Feuer wieder entfachen und den Kopf hinwenden
zu jemand, der noch lebt und Vergangenheit ist.
Aus dem Dunst erhob sich eine Rauchwolke.
In der Höhle des Mondes gab es einen rüstigen, grauen Mann,
der seine Hände wusch und mir zeigte, wohin ich zu gehen hatte:
Den langen Berg hinauf, über den Hügel von Mondschnee,
um drei geschliffene Steine herum, über die verschränkten
Flügel einer Eule, die an den südlichen Himmel genagelt war.
Ich drehte mich dreimal um mich selbst und zerstob,
über meine Schulter hinaus, in Wolken von Salz und Staub.
Die Erde wurde heller. Ich sah einen Mann.
Er sagte, dass die Sonne den Bäumen entgegen falle
und das Picknick fast vorbei wäre. Auf dem See lockten
schlanke Segel Blitze aus der Dunkelheit,
während Menschen, stiller werdend, schmale Kanus lenkten.
Scheu versteckte ich mich hinter Büschen. Schon fuhren
die Autos fort, die ersten Sterne des Abends
verschwammen in einer Wolke. Ein einzelnes Kind ließ seine
Schuhe halb im Sand stecken und schlief bei den Bäumen ein.
Als die Feuer ausgetreten waren, jedes zu den Wurzeln
der Büsche gegangen war, sich um Bäume versammelt
oder den Schein der Fenster in den Dämmer gezogen hatte,
verlor ich die Orientierung. Wasser floss zu Wasser,
Dachse nagten mehr aus Spaß, als aus Hunger,
am Wurzelwerk des Ufers, wo vor langer Zeit
Frauen miteinander geplaudert hatten. Kanarienvögel flatterten
umher und zwitscherten sanft einen Abschied. Dann war alles still.
Ich hatte jetzt keine Eile mehr, ließ meine Kleidung
auf den Boden fallen, der Genuss von seidigem
Wind mit zartem Gras, von Beeren und Milch
auf Haut, erweichte mich. Ich schmiegte mich, lag hingestreckt,
unempfänglich und doch aufmerksam für das, was aus den
leeren Zweigen kommen könnte, ich war Flamme.
Ich flackerte sacht. Alles war vorüber,
alle gegangen. Ich warf meine Kleider fort.
O du warst es, auf die ich gewartet hatte, um die
weichen Flügel meiner Knochen zwischen deinen Händen
zu halten und sie zurück ins Leben zu wärmen, um
Zweige aus meinen blanken Armen zu machen. O du warst es
die ich liebte, bevor ich starb und lange danach,
du, die ich nicht finden konnte. Die Luft strömte weicher,
mein Atem versiegte, aber niemand blies
meinen Namen in geweihten Boden. Ich war zu allein
um mich zu halten, um nicht wegzufließen
und auf diese Weise tot zu sein, geworfen in einen Schacht
aus Luft, um zu ertrinken in der Luft, ich erhob mich, legte mich
zurück in die Bäume und starb wieder. Die Spinnen
sorgen für Gitter, die sie gegen den Himmel hängen,
aber nicht für Mauern in der Luft und so sterben diese Häuser
und versinken; und nur wegen meines Fleisches aus Luft
würde dein Erdenfleisch sich mir zuneigen und wegtreiben;
aber dir war das egal, du lebtest, warst unaufrichtig zu mir.
Was blieb mir übrig, als einen Dämon zu holen
und im Staub zu warten, gierig auf Leiden
oder etwas in der Art, um deine Erinnerung wach zu rufen?
Auf Flügeln kam das Wesen aus der Dunkelheit herab
und wühlte in meinen Gliedern, um meine Flügel
unten im Dreck zu halten; ich war blind vor Angst.
Das Etwas verschwand, angefüllt mit Dunkelheit und mit mir.
Und ich war zerrissen. Sogar mein armer Geist
kann von nun an nie an deinem Fenster stehen;
Ich bewege den Wind. Ich rüttle an einem Ast,
doch ohne Geräusch. Deine Feigheit könnte
dich von deiner Verabredung mit meinem Geist abhalten,
die Liebe, die du mir versprachst, als ich Staub war,
nicht Luft. Und nun, da ich nicht einmal schlafen kann,
oder sterben, werde ich doch meinen Geist spüren.
Getrieben, diesen Obstgarten jedes Jahr erneut aufzusuchen,
den Platz des Picknicks, darauf wartend, dass alle
müde sind bei Sonnenuntergang und die Scheinwerfer anschalten,
um mit ihnen abzudriften, wie Motten in die Dunkelheit.
Ich werde aufstehen und meinen Hunger wegdrücken,
und starren, und murmeln, in dem Wissen, dass deine Liebe
in einen weißen Stein graviert ist, neben meinem Namen,
während du das Versprechen vergisst und das Jahr.
Du saßt neben dem Bett, nahmst meine Hände;
und als ich jenseits allen Sprechens war, hast du gesagt,
hast du geschworen, mich zu lieben, wenn ich tot bin,
mich in dem Baumrund zu treffen und mich immer zu lieben,
die weiße Luft zu lieben, den Schatten, in dem sie lag.
O Liebe, ich rief deinen Namen in die Luft, an diesem Tag,
ich sah das Picknick den Hügel hinab verschwinden
und weckte den Mond auf, mit leeren Händen.
A.d. Amerik. übers. v. C.M.



mein Herz wächst, es ist schon außerhalb von mir
über mich hinaus gewachsen
etwas kommt dazu
eine Gestalt aus Luft und Licht
auch sie kommt aus mir
nimmt das Herz
und geht
wohin gehen sie
mein Herz
meine Seele
sie sagen
ich müsse keine Angst haben
sie wären auf dem Weg hin zu Dir
